Donnerstag, 14. Januar 2016

Ehe wem Ehe gebührt


Das ist Herr bleibCOOLmami. Bald kann er auf fünf qualvolle Ehejahre zurückblicken. Unlängst tätigte er diesen Ausspruch:



Da zu bezweifeln ist, dass Mitmenschen das Ausmaß der Tragödie allein beim Anblick eines Ringes auch nur erahnen können, wird mit dem vorliegenden Text das Leiden von Herrn bleibCOOLmami für jedermann sichtbar gemacht. Vielleicht findet er auf diesem Wege Zuspruch und kann sich gemeinsam mit anderen Ehemännern in seinem und deren Leid suhlen.

Schauen wir mal.

Also, da wäre die Sache mit dem Licht. Herr bleibCOOLmami wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in einem (ehemals) schmucken Einfamilienhaus. Wenn er abends von seiner anstrengenden Büroarbeit nach Hause kommt, muss er erst einmal geschätzte fünf Lichtquellen ausschalten. Das ist sehr nervenaufreibend. Seine Frau hat es sich zur Gewohnheit gemacht, Licht einzuschalten, wenn es finster ist. Das wäre an sich nicht so schlimm, beträfe es nur eine einzige Lampe. Noch besser wäre eine Taschenlampe. Aber nein, seine Frau erdreistet sich, im Wohnzimmer, in der Küche, im Vorraum und im Klo gleichzeitig – so richtig synchron - alle Lampen einzuschalten. Zum Beispiel beim Zusammenräumen. Als wäre es zu viel verlangt, beim Hin- und Hergehen auf den einen oder anderen Schalter zu drücken, nur weil sie die Hände voll hat. Bestimmt will sie ihn nur ärgern.

Und dann die Wäsche. Nie wäscht seine Frau die Wäsche! Fast nie. Eher selten. Jedenfalls nicht rechtzeitig. Immer wenn seine frischen Unterhosen zu Neige gehen, muss Herr bleibCOOLmami seine Frau auf ihre Pflichten aufmerksam machen. Nützt aber nichts. Weil seine Frau behauptet, sie hätte diese Woche schon vier Waschmaschinenladungen gewaschen. Aber von ihm wäre nichts dabei gewesen. Geht ja nicht. Denn Wäsche kann nicht gehen. Und dann muss er selbst seine gebrauchte Unterwäsche zur Schmutzwäsche tragen. 

Überhaupt. Es ist wirklich schwierig. Seit Herr bleibCOOLmami verheiratet ist, ist sein Haus komplett heruntergekommen. Der Wohnzimmerboden gleicht der oststeirischen Hügellandschaft. Von ebener Fläche ist nichts mehr zu sehen. Lauter Dellen. Der einen Wand im Vorraum geht es nicht besser und ständig müssen Schrauben festgezogen und Möbelstücke repariert werden. Da hilft es auch nicht, dass die beiden Mitbewohner, die noch im Jahr der Eheschließung einfach so eingezogen sind, sämtliche Reparaturarbeiten mit ihrem Werkzeug unterstützen und Frau bleibCOOLmami von jeglicher Schuld bezüglich ruinierter Gegenstände freisprechen: „Das hab ICH kaputt gemacht. Ist das jetzt sön?“ Der Verfall hat eindeutig im Jahr der Eheschließung begonnen. Also mit Frau bleibCOOLmami.

Außerdem will Frau bleibCOOLmami immer alles haben. Zum Beispiel das letzte Wort. Das macht die Sache nicht einfacher, wenn Herr bleibCOOLmami eine seiner grandiosen Ideen hat. Zum Beispiel einen aufblasbaren Schneemann auf dem Hausdach zu befestigen.

Und wenn er, obwohl er selbst alles besser kann, trotzdem einmal Hilfe braucht und eine ToDo Liste per Email schickt, liest seine Frau sie erst drei Tage später oder ignoriert sie. Einfach so, obwohl schon im Betreff groß und deutlich TO DO steht. Wenn solch eine Nachricht einer seiner Mitarbeiter einfach so links liegen ließe. Nicht auszudenken!

Nicht vergessen werden darf die Geschwindigkeit von Frau bleibCOOLmami. Ihre Geschwindigkeit gleicht der einer Schnecke. Herr bleibCOOLmami kommt damit sehr schlecht zurecht. Beim Einkaufen benötigt sie Ewigkeiten. Beim Spazierengehen benötigt sie Ewigkeiten. Beim Essen benötigt sie Ewigkeiten. Beim Begreifen des Innenlebens ihres Computers benötigt sie Ewigkeiten. Nur nicht beim Autofahren. Da ist sie schnell. Viel zu schnell. Immer wieder ertappt Herr bleibCOOLmami seine Frau beim Überschreiten der Geschwindigkeitsbegrenzungen: "Nicht so schnell, hier ist ein 100er!!!" "Ich fahre 103." "EBEN!" 

Das Tüpfelchen auf dem i aber ist die Freiheitsberaubung in Herrn bleibCOOLmami´s Ehe. Er darf fast gar nichts mehr, seit er verheiratet ist.

Er darf
- nicht auf sein Handy schauen, während er mit seiner Frau spricht,
- nicht auf sein Handy schauen, während er Auto fährt,
- nicht auf sein Handy starren, wenn einer der Mitbewohner "Ich bin feeertig" ruft,
- seine Füße nicht auf den Tisch legen, während seine Frau isst,
- nicht im Stehen pinkeln,
- seine Schuhe nicht in die Mitte des Vorzimmers stellen,
- die Familienmahlzeit nicht bei offener Terrassentür einnehmen, wenn die Außentemperatur unter 10 Grad plus liegt,
- seine nassen Hände nach dem Waschen nicht über dem Küchenboden ausschütteln,
- keine Schimpfwörter benutzen,
- nicht in der Nase bohren,
- den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf nicht in fünf verschiedenen Supermärkten tätigen,
- nicht lachen, wenn seine Frau gegen Türstöcke rennt,
- einfach überhaupt nichts mehr.

Sie können erahnen, wie schwierig sich die Ehe für Herrn bleibCOOLmami gestaltet. Trotz allem lässt er sich nicht unterkriegen. Nein, er macht sogar das beste aus der Situation. Zum 5-jährigen Hochzeitstag hat er eine Menge Leute in sein Haus eingeladen, um mit ihnen den Bestand seiner Ehe zu feiern. Fünf Jahre hat er bereits geschafft. Das sollen alle wissen. Und sehen. Er wird seinen abgewetzten Ring herzeigen. Und die nächsten 50 Jahre wird er auch noch hinkriegen. Er ist ja kein Weichei.

Seine Frau darf auch zur Feier kommen.


11 Kommentare:

  1. Sensationell geschrieben!
    Selten so gelacht.

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  2. Weltklasse! Mein Mann ist immer erleichtert zu lesen, dass andere sein schweres Schicksal teilen. Bei ihm ist es nach zehn Jahren inzwischen soweit gekommen, dass er nur noch Sachen vom Einkaufszettel kaufen darf (weil seine Frau im Hochsommer keine 5 Packungen Tielkühl-Rotkohl im Eisschrank haben möchte).

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    1. Der Arme.
      Das Problem bei meinem Mann ist, dass er sich den Einkaufszettel selbst schreibt :-D

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    2. Ich weiß ja nicht, warum meine Frau mir den Link auf diesen Blogbeitrag geschickt hat. Also nicht so wirklich.
      Aber wenn ich mal nen Einkaufszettel von meiner Frau anschaue, dann kann ich danach ja gar nicht einkaufen. Da steht zum Beispiel "Wurst" drauf. Aber Wehe, wenn ich dann die mitbringe, die die letzten drei Monate die Lieblingswurst war, an der sie sich aber grade heute beim Frühstück überessen hat ohne es mir zu sagen!!!
      Da schreib ich ihn doch lieber selbst. Aber nicht alleine!

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  3. Hahahaha! Sehrsehrgut! Darf ich die Idee vielleicht übernehmen? Hahahaha! Dem Armen ergeht es ja fast genauso schlimm wie Herrn Solanum! Sie sollten sich kennenlernen!

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    1. Ja bitte, schreib auf, wie es Herrn Solanum geht!

      Ich habe noch etwas vergessen. Herr bleibCOOLmami muss ständig für seine Frau denken. Sie kann das alleine nicht so gut und daher muss er ihr täglich unzählige Tipps geben. Sie fragt zwar nicht danach, aber Herr bleibCOOLmami weiß, was seine Frau braucht: „Wenn ich dir einen Tipp geben darf, ich würde...“ Und dann ist sie nicht einmal dankbar.

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  4. Antworten
    1. Genau.

      Und das schlimme ist, die merken es nicht ein mal! :p

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  5. Ich dachte immer, ich habe ein ganz seltenes Exemplar von Ehemann abbekommen. Der Seltenheitswert sinkt mit deinem Blogbeitrag und mit jedem weiteren Kommentar zum Beitrag ins Unermessliche... ;) Ich habe herzlich gelacht. Same here... auf die nächsten 5(0) Jahre... (bei uns werden es bald 8) LG Anja

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  6. Auweia, hihi. Und ich dachte, nur meinem Mann geht es in der Ehe mit mir schlecht. Also ihm ganz besonders, denn ich habe zu unseren drei eigenen "Sauberkeits- und Ruhe-Terroristen" schon eine besonders große "Verständnis-Terroristin" mitgebracht.

    Ich werde meinem geplagten Mann diesen Eintrag mal schicken, damit er weiß: er ist nicht allein. Vielleicht sieht seine Welt dann nicht mehr ganz so grau aus.

    :p

    (Deine Worte könnten aus meinem Mund stammen, ich habe mich köstlichst beim Lesen amüsiert und empfinde für unsere Männer leider Gottes nun Mitgefühl. Das rettet unsere Ehe sicher für die nächsten acht Jahre :D )

    Herzliche Grüße

    Daniela

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