Sonntag, 9. August 2015

Was sollte ich unbedingt in den Familienurlaub mitnehmen? - FF 1

In der Serie „Family FAQ“ finden Sie sorgfältig recherchierte Antworten auf häufig gestellte Familienfragen. Geprägt durch langjährige Erfahrung und Erschöpfung. So wird das Familienleben einfacher. Oder auch nicht.

Teil 1 gibt Antworten auf die Frage
„Welche Dinge sollte ich unbedingt in den Familienurlaub mitnehmen?“

Wer schon einmal einen Familienurlaubskoffer gepackt und ihn am Urlaubsort wieder ausgepackt hat, weiß wie es sich anfühlt, wirklich nützliche Dinge vergessen zu haben. Natürlich hat man genügend Zahnbürsten, Nagelfeilen, Unterhemden, Fieberzäpfchen und Sandschaufelchen mit, aber letztendlich fehlt dann doch noch irgendetwas Unerlässliches. Damit das in Zukunft nicht mehr passiert, sollten Mitglieder einer gut organisierten Familie auf Ihre Urlaubspackliste nachstehende Dinge schreiben:


1. einige Rollen Klopapier

Man hat ein Hotel gefunden, in dem scheinbar alles passt. Matratze, Kopfkissen, Wandfarbe, Duschkabine, Nachttischlampe, Steckdosenlage und Zimmernachbarn sind in zufriedenstellendem Zustand und dann das: Morgens benützt man die Toilette und macht Bekanntschaft mit dem Toilettenpapier, das die Beschaffenheit von Seidenpapier aufweist. Mit Seidenpapier kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts anfangen. Man ist schließlich nicht zum Basteln hergekommen. Genug Seidenpapier also, aber kein Toilettenpapier weit und breit. Die Stimmung nähert sich dem ersten Urlaubstiefpunkt, was deutlich am Blick der Urlaubsteilnehmer, nicht nur der familieneigenen, zu erkennen ist.


Um die Stimmung im Frühstücksraum zu heben, sollten daher immer ein paar Rollen Klopapier eingepackt werden.

2. Ersatzunterhosen in allen Größen

Egal wohin einen der Urlaub führt, Wasserquellen gibt es beinahe überall. Wie man weiß, hat Wasser die Eigenschaft, Kinder magisch anzuziehen und Kinder haben wiederum die Eigenschaft alles, was irgendwie die Beschaffenheit von Wasser aufweist, erkunden zu wollen. Da kann es schon mal passieren, dass man beobachtet, wie ein fremdes Kind in voller Montur ins Wasser fällt. Nun kann man den genervten schockierten Eltern eine trockene Unterhose für das Kind anbieten und schon hat man die gute Tat des Tages erledigt und kann abends am Buffet dem Egoismus frönen und die letzten drei Kuchenstücke auf die Teller laden.

Übrigens: Für das eigene Kind hat man ohnehin immer Wechselkleidung mit. Es fällt ja schließlich ständig ins Wasser.


3. einen Hammer

Dieser ist besonders wichtig, wenn Kinder sich in der Phase des Rollenspieles befinden. Da benötigen sie schon mal einen Hammer. Lange Zeit kann man ja kleinen Kindern viele Dinge als Hammer verkaufen (eine Haarbürste, einen Schuhlöffel, ein Messer – ich vermute, das nennt man Symbolspiel), aber wenn sie größer werden, lassen sie sich nicht mehr so einfach mit Symbolen hinters Licht führen. Sie brauchen DRINGEND einen ECHTEN Hammer, um im Hotelzimmer/im Wald/am Pool/im Auto etwas zu reparieren. Ohne mitgeführtem Hammer führt das zu Gemotze/Gejammere/Gezetere und das nervt gewaltig. Also: Hammer nicht vergessen! Zumindest jenen von der Spielzeug Werkbank, der zuhause täglich im Einsatz ist.

4. ein Conni Buch

Sollte der Familienurlaub in bestimmten Phasen familiäre Disharmonien hervorrufen (zB. weil kein Hammer vorhanden ist), kann man immer noch mit Conni Büchern Familienidylle herbeizaubern. Conni hat bereits einige Ferienziele angesteuert und so findet sich bestimmt die entsprechende Geschichte für den jeweiligen Urlaub: Conni in den Bergen. Connis erster Flug. Conni am Meer. Beim Vorlesen dieser Bücher entsteht Idylle pur.

Schließlich wurden folgende Bücher noch nicht veröffentlicht:
Conni kotzt das Auto voll. Conni will nur Eis essen. Conni tritt in die Kuhflade. Conni will wieder nach Hause. Conni fällt ins Klo. Conni beißt ihr Kuscheltier.

5. ein Taschentuch

Sollte der Urlaub äußerst kindgemäß geplant sein (genügend Schokoladeneis, genügend Sand am Strand, genügend Kühe auf der Alm, genügend Stöckchen im Wald, genügend Geschwindigkeitsrausch auf der Wasserrutsche, genügend Grüffelokacke am Wegesrand), kann ein Urlaubskind schon mal echte Freude zeigen: Lachen wie ein Honigkuchenpferd, Strahlen wie tausend Sterne in der Nacht oder Umarmen wie super klebender Superkleber. Nun benötigt man ein Taschentuch, um die eigenen Tränen der Rührung zu beseitigen, die runterkullern, wenn man das glücksstrahlende, glückslachende, glücksklebende Kind betrachtet. Ein Taschentuch reicht übrigens. Wir sind ja im Familienurlaub.

6. einen kleinen Hund

Nichts ist peinlicher, als nach dem Frühstück/Mittagessen/Abendessen mit Kindern den Tisch zu verlassen, ohne vorher am Boden herumgekrochen zu sein. Denn um den Boden unter dem Tisch halbwegs sauber zu hinterlassen, muss man sich auf alle Viere begeben und Krümelchen für Krümelchen gekonnt und unauffällig beseitigen. Viel einfacher wäre es, einen kleinen Hund mitzunehmen. Dieser würde gekonnt und unauffällig jedes Desaster beseitigen. So die Theorie. Leider haben wir keinen kleinen Hund (auch keinen großen) und ich konnte noch nicht prüfen, wie effizient sich diese exklusiv von mir ausgedachte Maßnahme in der Praxis erweist. Für diesen Tipp übernehme ich somit keine Gewähr. (Übrigens für alle anderen auch nicht...).

7. eine befreundete Familie, vorzugsweise mit jüngeren Kindern

Gelegentlich erscheinen den Eltern die eigenen Kinder fürchterlich.
Besonders im Urlaub ist es daher angenehm sich ein anderes (besseres) Bild der eigenen Brut zu verschaffen. Man möchte den Urlaub schließlich genießen.
Begleitet einen eine befreundete Familie mit jüngeren Kindern, erinnert man sich an vergangene Jahre und Monate und erkennt plötzlich, dass die eigenen Kinder bereits aus dem Gröbsten raus sind und die Zustände in der eigenen Familie eigentlich gar nicht mehr so schlimm sind. Man ist plötzlich zufrieden mit dem, was man hat und es gelingt besser über einiges hinwegzusehen. Zum Beispiel, dass man keinen Hammer dabei hat, als Abendessen Eis konsumiert wird und man die Nacht im Kinderbett verbringt – ohne Kind – das schläft im Doppelbett.

Und sollte man die gute Tat des Tages noch nicht getätigt haben, weil aus unerfindlichen Gründen noch kein Kind ins Wasser gefallen ist, kann man diese nun erledigen, indem man die jüngeren, unerfahreneren und unselbständigeren befreundeten Kinder für ein paar Augenblicke aus den Augen der befreundeten Eltern schafft, um ihnen für ein paar Minuten Ruhen zu verschaffen.


Was sonst noch nützlich ist:

Großeltern

Großeltern in den Urlaub mitzunehmen kann sehr entspannend sein. Frühmorgens um sechs kann man beispielsweise den Auftrag geben: „Schau mal, ob die Oma schon wach ist.“
Sollten die Großeltern aber keine Lust auf Urlaub haben (eventuell, weil sie frühmorgens um sechs geweckt werden), kann man die Kinder immer noch auf Urlaub zu den Großeltern schicken und mit dem Partner das Weite suchen auf Urlaub fahren.


Habt ihr noch weitere Tipps, bitte ich diese Liste zu ergänzen. Damit das Familienleben einfacher wird. Oder auch nicht.



1 Kommentar:

  1. Echt jetzt, dein Blog verdient einen Orden (oder du für den genialen Humor). Habe alles von Anfang an durchgelesen. Wofür ich mehrere Tage gebraucht habe wegen Kind1 (2,5 Jahre) und Kind2 (1 Jahr). Ich fürchte sobald der zweite aus dem gröbsten raus ist bekomme ich Lust auf Nummer drei..
    Ehrlich, dein Blog hat mir die letzten Tage geholfen, vieles mit Humor zu nehmen. Danke!

    Lieben Gruß

    Evelin

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