Sonntag, 25. Januar 2015

Immer dieses Theater mit Mama

Nun ist es also wieder passiert. Ich muss mir dringend etwas von der Seele schreiben. Es geht um meine Mama.

Ihr wisst ja, dass sie an sich ganz ok ist. Eigentlich ist sie eine prima Mama, aber an manchen Tagen, was soll ich sagen, da hängt es sie vollkommen aus. Heute Morgen war es wieder so weit. Sie hat die Schubladen in ihrem Büro zugeknallt, dabei weiß sie doch ganz genau, dass sie das nicht machen soll und der Überhammer war, sie hat geflucht. „Verflixt, noch einmal!“, hat sie gerufen. „So ein, so ein, so ein...“, weiter hat sie nichts mehr gesagt. Ich glaube, Mama kennt nicht so schöne Schimpfwörter wie mein Bruder und ich. Wenn ihr in diesem Augenblick eines eingefallen wäre, hätte sie sich vielleicht schneller beruhigt. Aber so mussten wir erst einmal einen Spaziergang im Morgengrauen machen, damit es ihr wieder besser ging.

Aber nun mal der Reihe nach. Es ist nämlich überhaupt nichts passiert. Echt nicht. Und deswegen verstehe ich überhaupt nicht, warum Mama wütend wurde. Nur ICH hatte allen Grund wütend zu sein.

Also, es war so. Oma und Opa sind gerade zu Besuch bei uns und ich hab mit ihnen gespielt. Die sind nämlich nett. Aber dann habe ich bemerkt, dass Mama nicht da ist, hab nachgeschaut und sofort gecheckt, dass sie am Klo sitzt. Aber Mama hatte einfach die Klotür zugesperrt und so konnte ich nicht rein.

Ich hab ganz laut geschrien, damit sie mich hört und ganz wild an der Türschnalle gerissen, damit sie sieht, dass ich rein will. Hat alles nichts geholfen. Zugesperrt. Fest verschlossen. Echt schwierig, so ein Schloss zu knacken. Später hat Mama gesagt, sie mag keine offenen Klotüren, wenn Oma und Opa da sind. Was hat denn das bitte mit Oma und Opa zu tun? Echt Mann. Immer diese Ausreden.

Ich bin einfach wieder spielen gegangen. Mit Oma und Opa. Ohne Mama. So ein blödes Benehmen. Ist ja auch wahr. Aber dann, dann ist mir Mama wieder eingefallen. Ich hab sie gesucht und ich hab gleich gecheckt, sie ist im Bad. Und was soll ich euch sagen? Schon wieder eine verschlossene Tür! Und wieder das gleiche Theater. Schreien, Toben, Türschnallen reißen, alles für die Katz. Und Mama? Sie erklärt, dass sie nackt unter der Dusche steht, und deshalb nicht aufsperren kann und wenn ich mitkommen hätte wollen, hätte ich mir das früher überlegen sollen, sie hätte eh gefragt aber jetzt, jetzt geht es nicht, weil sie nackt ist und Oma und Opa da sind.

Ist ja logisch, dass sie nackt unter der Dusche steht. Wer duscht denn bitte mit Gewand? Und was hat denn das mit Oma und Opa zu tun? Als sie endlich aufgesperrt hat, bin ich gegangen. Ist ja auch wahr. Ich wollte lieber mit Oma und Opa spielen. Die benehmen sich nicht so dumm.

Ich hab also eine Weile mit Oma und Opa gespielt und dann habe ich bemerkt, dass Mama nicht da ist. Ich hab sofort nachgeschaut. Im Klo. Im Bad. Keine Mama. In der Küche. Im Wintergarten. Keine Mama. Da hab ich gleich gecheckt, sie muss im Dachboden sein.

Dort oben hat sie ihr Büro mit ganz vielen tollen Sachen. Computer, iPad, Scheren, Stifte, Tixo, Papierlocher und ganz viele Kabel. Sie spielt aber nicht mit den Sachen, sondern sitzt meistens nur am Schreibtisch herum. Heute hat sie für irgendeine hohe Schulprüfung, oder wie das heißt, gelernt. Da muss sie morgen hin und ganz viele Fragen beantworten. Die sind so kompiliziert, dass Mama sich zuerst die Antworten ausdenken muss, bevor sie dorthin geht, hat sie erklärt. Ich weiß immer sofort eine Antwort auf jede Frage*, aber Mama ist da ein bisschen kompilizent.

Damit sie nicht so alleine im Dachboden sitzen muss, bin ich bei ihr gesessen und hab geschaut. Schauen ist aber ziemlich langweilig. Da hab ich einfach ihre Karteikarten genommen und eine Schere und dann hat sie mich weggeschickt. Einfach so. Aber ihre Worte waren nicht nett. Auch nicht ihr Ton. Und ihr Gesicht hat auch nicht mehr so schön ausgeschaut. Da bin ich gerne gegangen. So ein blödes Benehmen aber auch. Echt wahr.

Ich bin einfach zu Oma und Opa ins Wohnzimmer gegangen und hab gedacht, ich spiele ein bisschen mit ihnen. Die sind nett. Dort war auch noch mein Bruder. Der hat gerade die Brösel unter dem Tisch zusammengekehrt. Ich hab ihm geholfen. Ich mag meinen Bruder nämlich. Der hat aber sofort geschrien. Ganz laut. „Geh weg! Das ist mein Besen. Gib mir das wieder. Geh weg. Du Stinker!“ Ich weiß auch nicht, was heute los ist. Alle verrückt. Da hab ich die Tür zugeknallt. Ist ja auch wahr.

Da ist Mama gekommen. Ihr Gesicht hat noch immer ganz komisch ausgeschaut und sie hat ganz eigenartig geatmet. „Genug jetzt! Raus mit euch! Wir gehen spazieren!“, hat sie gesagt. Sie hat uns so schnell angezogen, wie noch nie. Jacken, Schuhe, Schals, Hauben, Handschuhe waren so schnell dran an uns, wie noch nie. Oma ist daneben gestanden und hat erklärt, dass es doch kalt ist und windig und die armen Butzimänner nicht rauskönnen und sie husten ja und es ist ja noch fast finster und da hat Mama die Oma angeguckt, ganz lange, und ganz komisch und schließlich hat Mama gefragt, ob die Oma auch mit will. Nach draußen, in die Kälte. Sie kann gerne mitkommen.

Oma hat nichts mehr gesagt und Mama ist mit uns rausgegangen. Ganz weit und ganz lang. Da hat sie sich endlich wieder beruhigt. Sie hat mit uns Lieder gesungen, hat uns auf der Baustelle alle Baufahrzeuge erklärt und mit uns Steine gesammelt. Ich war ziemlich froh, dass Mama wieder die Alte war, so wie ich sie kenne und hab den Spaziergang sehr genossen.

Zuhause habe ich Kakao bekommen. Der war echt lecker. Jetzt spiele ich gerade mit Oma und Opa. Mama sitzt im Dachboden. Ich weiß nicht, was sie dort macht. Ich schau aber lieber nicht nach. Wer weiß, wie sie gerade drauf ist. Das Theater mit Mama mag ich mir heute nicht mehr antun. Echt nicht.

Aber die Sache mit dem Prüfungdings, das interssiert mich doch. Vielleicht geh ich doch nochmal rauf und frag sie, ob sie sich schon eine Antwort ausgedacht hat. Wenn sie keine weiß, kann ich ihr eine sagen. Schließlich ist das Prüfdings schon morgen. Sie freut sich bestimmt.



* “Wenn dich die Frau Dr. Lechner fragt, wie du heißt, was sagst du dann?"
„Dann sag ich: Frau Lechner, ich bin der Weihnachtsmann.“


8 Kommentare:

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    1. Herzlichen Dank! Dann kann ja nichts mehr schief gehen :-)

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  2. Viel Glück!

    In der Situation mit Oma hätte ich nicht nur lange geschaut und dann eine solch "überlegte" Antwort geben können. Insbesondere bei Schwiegermutter kann ich mir bissige Kommentare in solchen Situationen manchmal nicht verkneifen :-)

    Immer schön kühlen Kopf behalten in Prüfungen. Dass sagen sicher deine Kinder auch ;-)
    Liebe Grüße aus London,
    Uta

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    1. Ich beiße meine Schwiegermutter lieber nicht ;-) Sie ist ja eigentlich die beste der Welt. Und es war wirklich kalt. Brrr....
      Liebe Grüße
      Paula

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  3. Ich weiß selbst nur zu gut, wie es ist, mit Kind zu lernen... Ganz viel Erfolg!!!

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    1. Vielen Dank!
      Hab den Lernstoff durch und denke, es wird gut klappen.

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  4. Bitte richte deiner Mama meine Entschuldigung aus, dass ich während des Lesens lachen musste, anstatt mit ihr solidarisch zu sein (du kannst die Mama fragen, was solidarisch heißt). Und dass ich hoffe, dass sie auch ohne deine ausgedachten Antworten gut durch diese Prüfung gekommen ist. LG, Christian

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    1. Meine Mama sagt, es macht gar nichts, dass du gelacht hast. Das Lachen ist sie ja schon vom Papa gewöhnt. Der macht das auch oft und sagt dann aber noch so Sachen wie "Bleib cool, Mami". DAS ärgert sie richtig.
      Die Prüfung hat sie gut hingekriegt, sagt sie. Aber es gibt noch ein paar andere. Dabei kann ich ihr bestimmt helfen.
      Liebe Grüße
      Der Sohn

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