Samstag, 20. Dezember 2014

Aus dem Gröbsten raus

Damals, als meine Kinder noch ganz klein waren, damals, als ich nur ab und zu den Luxus eines freien Armes (meist waren beide besetzt) genoss, damals, als meine Kinder weder sprechen, noch selbständig essen, geschweige denn sich selbständig fortbewegen konnten, damals machte man mir Mut mit dem Satz „Wenn sie aus dem Gröbsten raus sind, wird es einfacher“. Der Zeitpunkt „aus dem Gröbsten raus“ wurde mit etwa drei Jahren definiert.

Meine Jungs sind seit einem Monat drei Jahre alt und ich finde, es ist Zeit Bilanz zu ziehen und darüber nachzudenken, welche Leistungen sie selbständig vollbringen können und ob sie nun tatsächlich "aus dem Gröbsten raus" sind.

Meine Söhne weisen erste mathematische Kompetenzen auf
Eine grundlegende mathematische Kompetenz ist das Vergleichen von Mengenverhältnissen. Bekommen sie beispielsweise Gummibärchen geschenkt, können sie auf einen Blick erkennen, wer mehr und wer weniger hat. (Meist hat der andere mehr.) Das funktioniert auch problemlos mit Legobausteinen, Pixi-Büchern, Stiften, Taschentüchern, Erbsen, Kartoffeln, Fingern und den eigenartigsten Dingen.

Zählen können sie übrigens noch nicht, aber das ist auch nicht nötig, solange man durch Wegnehmen (also Minusrechnen) das Mehrheitsverhältnis (ich brauch mehr) wieder herstellen kann.

Meine Söhne weisen eine hervorragende Sprachkompetenz auf
Artikulation, Grammatik, Wortschatz und Prosodie meiner Söhne sind beinahe einwandfrei. Dadurch sind sie (leider) auch für jedermann verständlich, wenn sie folgende Sätze von sich geben.

Zur Nachbarin: „Schau einmal, wie dein Hals aussieht. So schrumpelig.“
Zur Oma: „Deine Haare schauen aus wie die von der Hexe.“
Zu mir: „Du kannst dich da nicht hinsetzen, dein Popo ist zu dick.“
Zum Bruder: „Riech mal deine Füße, du bist ein Stinker.“

Meine Söhne können ohne jegliche Hilfe mit Löffel, Gabel und Messer essen
Meine Jungs können sehr gut mit Löffel, Gabel und Messer umgehen. Weil sie das so gut können, benötigen sie für jede Speise den kompletten Bestecksatz, also Löffel, Gabel und Messer. Denn es kann schon einmal nötig sein, die Suppe mit der Gabel zu essen, wenn man Erbsen oder Karfiolstücke aussortieren muss, weil sie "stinkig" sind.

Zum Kakaotrinken wiederum wird oft ein Löffel benötigt, zum Beispiel dann, wenn „ganz zufällig“ ein paar Stückchen Brot oder Äpfel in die Tasse fallen und meist sofort ein Verdächtiger feststeht ("Das war der Papa."), auch wenn dieser meist nicht anwesend ist.

Manchmal passiert es auch, dass die mundgerecht geschnittenen Kartoffeln nicht die richtige Form aufweisen und meine Söhne mehrmals mit dem Messer nachjustieren müssen. Das Endergebnis des zeitraubenden Schneidens (kalter Kartoffelstampf) ist aber für ihre Augen gewöhnungsbedürftig und kann deshalb nicht oder nur mit Überwindung gegessen werden.

Meine Söhne weisen eine ausgeprägte Feinmotorik auf
Meine Söhne können sehr gut mit ihren Scheren schneiden. Sie erhalten täglich die Reklame aus dem Briefkasten und dürfen alle Blätter in klitzekleine Stücke zerschneiden. Weil das so gut gelingt, sind sie immer bestrebt, ihre Kompetenzen im Umgang mit der Schere auszuweiten. Für Übungszwecke gibt es in unserem Haushalt eine Reihe brauchbarer Dinge: Kleidung, Vorhänge, Schubänder, Lebensmittelverpackungen, Bücher, die Haare der Puppe, meine Haare. Oh!

Da erweist es sich beinahe als Glücksfall, dass meine Jungs sehr gut mit Klebebändern umgehen können. Damit kann man vieles reparieren. Sie machen das wirklich gut.

(Wenn Sie einen Tipp haben, wie man sorgfältig aufgeklebte Klebebänder schnell und rückstandslos von Fensterscheiben, Badezimmermöbeln, Büchern, Tellern und Handys bekommt, nur her damit.)

Meine Jungs sind grobmotorisch sehr geschickt
Das Laufen, Klettern, Springen, Werfen und Laufrad fahren klappt super.

Laufen: Meine Jungs können so schnell weglaufen, dass ich große Mühe habe, sie einzuholen.

Klettern: Meine Jungs können alle Möbelstücke erklettern. Übrigens: Schenken Sie mir zu Weihnachten keine Dekogegenstände. Diese wären meinen Söhnen beim Klettern nur im Weg.

Springen: Meine Jungs können von allen Möbelstücken runterspringen. Bitte auch keine Pflanzen und Bodenvasen zu Weihnachten. Auch diese wären den beiden nur im Weg.

Werfen: Meine Jungs können sich einhändig alle auffindbaren Gegenstände zuwerfen. Das Fangen klappt noch nicht, aber ich habe nachgelesen, dass sie das mit drei Jahren noch nicht können müssen. (An dieser Stelle kommen wieder die Klebebänder ins Spiel. Was man nicht alles damit reparieren kann.)

Laufrad fahren: Meine Jungs fahren bereits weite Strecken mit dem Laufrad. Das machen sie ganz toll. An manchen Tagen aber funktioniert das Zurückfahren nicht. Da ist irgendwo ein Defekt. Auf gut Österreichisch: Da liegt der Hund begraben. (Wenn Sie einmal zwei kinderlose Laufräder sehen, helfen Sie mir bitte, sie nach Hause zu tragen.)


Mein Fazit: 
Die Weissagungen aus der Babyzeit haben sich als richtig erwiesen. Meine Jungs sind drei und tatsächlich „aus dem Gröbsten raus“. Sie können selbständig essen, trinken, sprechen, gehen und was soll ich sagen, ich liebe sie von ganzem Herzen – mit all ihren wunderbaren Kompetenzen ;-)




14 Kommentare:

  1. Wunderbar! Mir graut es schon, wenn unser Maxi bald 3 wird. Wenn das das Gröbste ist, wünsche ich mir zu Weihnachten schnell noch ein Gewehr (um mich anschließend zu erschießen)... :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein! Nein! Nein!
      Das war doch nur ein kleiner Auszug ihres Könnes.
      Kinder sind wunderbar und die Ergebnisse ihres Schabernacks kann man meist ganz einfach in schönes Licht tauchen. Wandbemalungen mit der geeigneten Lampe beleuchten und so ;-)
      Immer positiv denken :-)

      Löschen
  2. Schön geschrieben. Ich liebe deinen Blog und war bisher stille Leserin.
    Ich dachte, heute schreib ich dir aber mal. Mein Tipp für blöde Klebereste ist ein Ceranfeld-Schaber. Der hat mir in meiner Grundschul-Klasse schon gute Dienste geleistet.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank!
      Danke auch für den Tipp. Gleich gehe ich den Kleberesten an den Kragen ;-)

      Löschen
  3. Gut zu wissen was uns noch erwartet :D aber es zeichnet sich bereits jetzt ( mit 2 Jahren und 4 Monaten) ab, dass uns auch in den nächsten Jahren nicht langweilig wird... Haben auch zwei Jungs! Derzeit nennen wir oder andere es ganz gern: Grenzen austesten :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, langweilig wird es nicht. Ist doch schön :-)
      Wünsche euch noch viel Spaß mit euren beiden Grenzgängern ;-)

      Löschen
  4. Mein Zwerg ist im Oktober drei geworden und ich kann deine Beobachtungen voll und ganz teilen ;-). Besonders hilfreich finde ich, dass unerklärliches Weinen inzwischen von klar formulierten Tobsuchtsanfä...ääähm Wünschen abgelöst werden ("es soll aufhören zu regnen!"). Das erleichtert den Alltag ungemein ;-). Als Mama einer Viertklässlerin kann ich zumindest für mein Kind sagen: Aus dem "Gröbsten" war sie ca mit 6. Ab da wurde es tatsächlich fast besorgniserregend ruhig. Manchmal merkt man gar nicht mehr, dass sie zu Hause ist (Hatty Potter sei Dank). :-p

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Haha!
      Solche Wünsche kenne ich auch. "Mama, mach den Wind weg! Aber bitte schnell!" (Herbstspaziergang)
      "Ich kann da nicht gehen. Da werden die Schuhe schmutzig." (Gespräche im Wald)

      Aber wenn sie mit 6 tatsächlich so ruhig sein werden, werde ich mich vermutlich an die intensive Kleinkindzeit zurücksehnen. Sie sind ja zwischendurch soooo knuddelig. Hach! :-)

      Löschen
  5. Herrlich! Ich wollte mich auch gerade dran setzen und einen "Mein Kind es jetzt 2 1/2-Jahre"-Rückblick schreiben. Ich glaub ich lass es jetzt, Du bist einfach nicht zu toppen :-P
    Lieben Gruß, Wiebke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke :-)
      Den Rückblick solltest du machen. Eventuell kannst du mit dem Bericht über Wirbelwind jenen wieder Mut machen, die ihn beim Lesen meines Posts verloren haben ;-)

      Löschen
    2. Du bist klasse, und eine unverbesserliche Optimistin noch dazu ;-)
      Ich sitze gerade dran...

      Löschen
  6. Vielen Dank! Konnte mir den ein oder anderen Lacher nicht verkneifen. Hatte das Gefühl, du schreibst über meine Söhne...die werden auch bald 3!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es freut mich, dass es nicht nur bei uns so zugeht ;-)

      Löschen
    2. Nein, hier ist mit einer Mahlzeit auch die halbe Besteckschublade leer. Und klettern tun sie auch wie 2 kleine Affen - je höher desto besser und wenn man dann auch noch runter springen kann - ein Traum! ; )
      Klebeband haben sie noch nicht für sich entdeckt...noch nicht! Hier wird alles mit dem Hammer aus dem Spielwerkzeugkoffer repariert...

      Löschen