Dienstag, 2. September 2014

Urlaub in Bibione - Ein Sommer wie damals

Vor 39 Jahren fuhr mein Mann das erste Mal mit seinen Eltern nach Bibione. Sein Vater legte ihn mitten in der Nacht im Pyjama auf den zum Bett umfunktionierten Rücksitz des Autos, um nach stundenlanger Fahrt rechtzeitig zum Sonnenaufgang über das Meer blicken zu können. Im Kofferraum befanden sich neben Küchenutensilien, Bettwäsche und Sandschaufeln vorgekochtes Essen und Konserven für die gesamte Urlaubswoche.

Es folgten viele Jahre, in denen die Familie einen Teil des Sommers in Bibione verbrachte. Sonne, Sand und Meer, Gelato, Cocco bello und Spagetti, Strandverkäufer, Luna Park und Souvenirgeschäfte gehörten zum Ferien-Must-Have. Am letzten Urlaubstag klappte der Junge stets mit Tränen in den Augen den Liegestuhl zu und versprach, im darauffolgenden Sommer wieder zu kommen. Torneró.




Nun hat mein Mann seine eigene Familie und will uns an den Schönheiten des italienischen Badeortes teilhaben lassen. Widerwillig stimme ich zu.


***


Nacht. Ich sitze mit geschwollenen Augen im Auto und verfluche stillschweigend Bibione, meinen Mann und den Rest der Welt. Zehn Minuten davor wurde ich unsanft aus dem Schlaf gerissen und musste ohne Kaffee und Frühstück das Haus verlassen. Immerhin durfte ich meinen Pyjama ausziehen und trage nun dem Urlaubsort angemessene Kleidung. Bei 9 Grad Außentemperatur zittere ich am ganzen Körper. Ich schalte die Sitzheizung ein.

Im bin zu keiner Konversation fähig und würde mich gerne schlafend stellen. Leider kann ich meinen Sitz nicht in Liegeposition bringen, da hinter mir sämtliches Gepäck lagert, das im Kofferraum keinen Platz mehr fand. Meine Söhne befinden sich ebenso irgendwo rückwärts und stellen Fragen über unser Reiseziel. Diese kann der Mann besser beantworten, ich verweise auf ihn und starre wortlos in mein iPhone. Twitter.

Unzählige Nahrungsmittel-Tweets lassen meinen Magen knurren. Gnädig reicht mir der Mann das mitgebrachte Frühstückssackerl und einen Becher Kaffee. Felsenfest davon überzeugt, dass die Schnabelöffnung Senioren vorbehalten ist, schraube ich den Deckel vom Becher runter, um daraus zu trinken.


Glücklicherweise trägt mein Strandoutfit keinen Schaden davon. Ich schraube den Deckel wieder auf den Becher und trinke nun doch aus der dafür vorgesehenen Öffnung.


Nach einem Salamibrötchen, zwei Rosinenbrötchen und einem halben Becher Kaffee ist meine Welt wieder in Ordnung. Die ersten Sonnenstrahlen, der Anblick meiner am Rücksitz schlafenden Kinder und das Leuchten in den Augen meines Mannes ermuntern mich zu einem fröhlichen „Guten Morgen“. Die Urlaubsstimmung ist perfekt.


Es wird sogar noch besser. Der Mann unterbricht die Autofahrt an der nächsten Raststätte und spendiert mir einen Gang auf die Toilette im Wert von 50 Cent.

Wir setzen unsere Fahrt fort. Ich plaudere mit dem Mann, blättere im neuen Nido und in Brigitte Mom und nehme mein iPhone wieder zur Hand. Ich stelle fest, dass Unglück-Tweets mehr Faves erhalten als Glück-Tweets und nehme mir vor, demnächst wieder etwas auszuschütten, mir etwas abzuschneiden oder meinen Mann wahnsinnig zu machen.


Zwischendurch blicke ich auf mein iPhone und erstarre, als ich den Ladezustand erkenne: 13 % und wir haben noch nicht einmal die Staatsgrenze erreicht. Ich werde leicht nervös. Das spüren scheinbar auch die Kinder und erwachen am Rücksitz. Weil wir „noch nicht da sind“, beginnen sie mit der obligatorischen Quengelei im Auto. Der Mann muss sich auf die Fahrt konzentrieren und überreicht mir gönnerhaft sein Handy und den Kindern das iPad. Sie dürfen Videos gucken.

„Peppa Pig – At the beach“ bringt mich wieder in Urlaubsstimmung und ich singe italienische Uralthits vor mich hin.


Am Vormittag erreichen wir Bibione und checken in unserem Hotel ein. Am Pool warten wir auf die Großeltern. Wie eingangs schon erwähnt, ist der Mann es gewöhnt mit seinen Eltern in den Italienurlaub zu fahren. Ein Sommer wie damals.




Die Großeltern bringen die Teenie-Cousine der Jungs mit. So haben der Mann und ich genügend Privat-Animateure für unsere Kinder und können den Urlaub auch tatsächlich genießen. Wir blicken aufs Meer, während die Kinder mit dem Opa im Sand buddeln, wir erfreuen uns am Lachen unserer Jungs während die Cousine mit ihnen im Autoscooter fährt, in dem der Mann vor 39 Jahren schon fuhr und wir essen in Ruhe Antipasti, Pesce und Dolci während die Oma für volle Teller bei den Jungs sorgt.

In den nächsten Tagen erleben wir rundum den perfekten Familienurlaub. Am Strand verabreden wir uns auch mit dem Onkel, einem Cousin und einer weiteren Teenie-Cousine der Jungs, die zur selben Zeit in Bibione verweilen und erreichen während der Konversation somit italienische Lautstärke unter den Sonnenschirmen. Zu bemängeln gibt es kaum etwas.





Am Abend vor der Abreise klappt mein Mann seinen Liegestuhl zu und versteckt seine Augen hinter einer dunkeln Sonnenbrille. Ich gebe zu, dass der Urlaub in Bibione gar nicht mal so schlecht war und willige ein, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Torneró.





Und was wäre ein Urlaubsbericht ohne Heimfahrt und Ankunft ...





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