Donnerstag, 4. September 2014

Mommy Wars

Ich habe in den letzten Monaten viele Blogposts über „Mommy Wars“ gelesen, über Mütterkriege par excellence, die dadurch entstehen, dass Frauen unterschiedliche Erziehungsstile und unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen vom Leben mit Kindern haben.

Scheinbar sind viele Frauen mit Mommy Wars konfrontiert, denn zur erst kürzlich ausgerufenen Blogparade von MamaOTR, MomsOffice und Muffinqueen zu diesem Thema gibt es bereits einige Beiträge.

Ich finde es traurig, dass gerade die Wahlfreiheit, die Frauen heutzutage bezüglich der Gestaltung ihres Familienlebens und der Erziehung und Pflege ihrer Kinder haben, dazu führt, sich gegenseitig schlecht zu machen. Warum kommen Mütter nicht damit zurecht, wenn andere Mütter nicht nach ihrem Konzept leben? Entstehen Angriffe auf andere Mütter durch Neid und Missgunst oder durch Besserwisserei? Und warum werden Ratschläge als Angriffe aufgefasst? Ist das wiederum die Unsicherheit über das eigene Handeln?

Darauf habe ich keine Antwort, denn Mommy Wars kenne ich nicht. Meine kleine Familie bot von Anfang an keine Angriffsfläche für Mommy Wars.

Ich habe im ersten Lebensjahr meiner Kinder in einem Kokon, hervorgerufen durch die Frühgeburt, gelebt. Ich ging, abgesehen von vielen Arztbesuchen und Therapiestunden wenig nach draußen und von draußen kam mehr Ratlosigkeit als Ratschläge. Kaiserschnitt, Ernährung mit Fläschchenmilch, Gabe von Medikamenten, mein Hausfrauendasein, die schützende Hand über meine Kinder, all das wurde nicht angeprangert, weil wir in einer besonderen Situation lebten, weil wir in vielem keine Wahlfreiheit hatten.

Und dann kam das zweite Lebensjahr, in dem ich mich wieder mehr nach außen öffnete, über unser Familienleben erzählte, viel Hilfe bekam und Mütter-Freundschaften schloss. Sohn 02 wurde laut Behindertenbetreuungsgesetz ein Jahr lang als behindert eingestuft. Er war im motorischen Bereich entwicklungsverzögert und wurde von einer Frühförderin begleitet. Für kluge Ratschläge war ich sehr dankbar. Ungebetene Ratschläge bekam ich keine. So mancher war wohl froh, nicht in unserer Situation zu sein.

Ebenso hielt und halte ich mich mit ungebetenen Tipps und Kommentaren bei anderen Müttern zurück. Wer anderer Meinung ist, Hand hoch, ich gelobe Besserung! Außerdem bin ich selbst noch in der Erprobungsphase was die Erziehung betrifft und weiß, dass ich vieles nicht weiß. Hätte ich tatsächlich die Allwissenheit über die Pflege und Aufzucht von Kindern, würde ich damit Geld verdienen, glaubt mir.

Ich habe lange gebraucht, um mich auf das Leben mit meinen Kindern einzustellen und es so zu regeln, dass es für die gesamte Familie passt. Womöglich gibt es irgendwo Frauen, die mein Lebenskonzept nicht befürworten, ihre Worte dringen jedoch nicht bis in mein Herz. Vielleicht habe ich diesbezüglich eine Elefantenhaut, vielleicht ist es aber immer noch die Erinnerung an den Augenblick, als ich meine Kinder das zweite Mal sah verglichen mit dem Jetzt, das mir bestätigt „Ich mache es richtig so wie ich es mache“.

Ich lasse mich nicht verunsichern, bin dankbar für jede Hand, die mir gereicht wird und versuche, mich aus Mommy Wars herauszuhalten.




Einen Menschen gibt es aber dennoch, der mich hin und wieder zum Kriegsgeheul bringt, dessen Ratschläge und Meinungen mich so manches Mal zur Weißglut treiben und der mich verunsichert in meinem Handeln. Einen Menschen mit dem ich streite, in manchen Phasen unseres Lebens jeden Tag. Es ist der einzige Mensch, dessen Ratschläge und Kommentare ich mir zu Herzen nehme, weil er der einzige ist, der auch das Recht dazu hat, in meine Erziehung einzugreifen. Denn meine Kinder sind auch seine Kinder.




Mit meinem Mann kann ich streiten bis die Wortfetzen fliegen, bevor wir uns wieder versöhnen. Glücklicherweise sind wir uns in den großen Erziehungsfragen einig und kritisieren uns gegenseitig nur bezüglich Nebensächlichkeiten. Diese sind aber teilweise so lächerlich, dass sie einen eigenen Blogpost bedürfen.

Demnächst. Parents Wars. Dieser wird dann unter dem Label "Humor" getaggt ;-)






9 Kommentare:

  1. Und wieder ein neuer Aspekt zu den Mommy Wars - wenn es Probleme gibt, wird das Gegenüber offenbar ganz schnell still :-)) Zum Glück musstest Du Dich neben Deinen Frühchen nicht mit blöden Kommentaren herumschlagen <3! Vielleicht ist es aber auch so wie Du schreibst, dass Du es einfach gar nicht bis zu Dir vordringen lässt. Es braucht ja nicht nur den Sender. sondern auch den Empfänger.
    Übrigens, ich amüsiere mich immer köstlich über die Playmobil-Szenen. :-)) Streiten, bis die Kleenex-Fetzen fliegen, gnihihi

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    1. Stimmt, ich war in den ersten beiden Jahren so mit mir und uns beschäftigt, dass vieles nicht bis zu mir vorgedrungen ist. Mal schauen, wie es in den nächsten Jahren mit den "wohl gemeinten Ratschlägen" weitergeht.

      Über die Lego-Duplo-Szenen amüsiere ich mich auch immer. Und über das Toupet des Lego-Männchens ;)))

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    2. Lego, LEGO!! Sorry für den Lapsus. ich kenne natürlich den Unterschied *hust :-))

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  2. Toller Text und schön mit den Bildern untermalt. I like :)

    Ich finde das so fürchterlich, dass sich Mütter ständig gegenseitig so runter ziehen. Vielleicht hat das auch mit diesem Perfektionismus-Wahnsinn zu tun. Alles muss optimiert werden. Alles muss akkurat an seinem Platz stehen. Die Kinder müssen funktionieren. Job. Familie. Alles muss laufen. Bei manchen hab ich das Gefühl, sie versuchen selbst die Toilettengänge noch effizienter zu gestalten. Und weil natürlich alles perfekt sein soll, muss der eigene Erziehungsstil, das eigene Kind das Beste überhaupt sein. Wenn dann jemand (zB ne andere Mutter) das vermeintlich totoptimierte anprangert... Gehts ab.

    Und leider muss man nicht mal Mutter sein, um seiner Denke wegen angegriffen zu werden. Das merk ich hier in meiner Gegend regelmäßig. Hab ich mich hier mal dazu ausgelassen...
    http://bloggerbaguette.blogspot.de/2012/06/die-anti-emanze_12.html

    Wichtig ist doch im Grunde nur eins: Die Kinder sollen glücklich sein und sich frei entwickeln können. Eine Vollblutmutter, die um ihr(e) Kind(er) herumpropellert stört das Kind in seiner Entwicklung genauso wie eine Mutter, die vor lauter Arbeit und Haushalt und Ich-Zeit und überhaupt das Kind ständig nur von A nach B schiebt und vielleicht in Summe 1h/Woche mit dem Kind direkt in Kontakt tritt.
    DAS Schema-F gibt es nunmal nicht. Jedes Kind ist anders. Jede Mutter, jeder Vater ist anders. Also weshalb kann man dann nicht jeden so machen lassen, wie ers für richtig hält!?

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    1. Danke für die Blumen und den ausführlichen Kommentar.
      Ja, jedes Kind und jede Familie ist anders. Was für meine Familie stimmig ist, muss nicht unbedingt für andere passen, da gebe ich dir recht.
      Liebe Grüße
      Paula

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  3. Oh weh, da habt ihr ja schon einiges hinter Euch. Nur gut, dass Du Deine Ruhe hattest!

    Deine gelassene Einstellung zu dem Thema "Mommy Wars" finde ich richtig prima<3 Ich glaube nicht, dass Dich in Zukunft noch jemand mit dummen Bemerkungen aus der Ruhe bringen kann;-)

    „Ich mache es richtig so wie ich es mache!“
    Diesen Satz habe ich mir auch immer gesagt, zumindest für meine eigene Familie. Aber genau darauf kommt es doch an, nicht wahr?

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    1. Genau. Und letztendlich werden meine Kinder diejenigen sein, die in 20, 30 oder 40 Jahren mehr darüber sagen können, wie ihre Mama ihre Aufgaben erledigt hat :-)

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  4. Das habe ich auch schon oft gesagt. Die dürfen dann urteilen;-)
    Und darauf bin ich gespannt:-)

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  5. Papa und Mama fetzen sich bildlich, einfach nur ein herrliches Bild und eine tolle Idee!

    Zu deinem Text: Ich finde es sehr spannend, wie unterschiedlich die Erfahrungen zum Thema Mommy Wars sind.
    Vielleicht ist es eben diese Ratlosigkeit gewesen von der du geschrieben hast, die zu keinen ungewollten Ratschlägen geführt hat. Ein Glück für dich, nach allem was du erlebt und durchgestanden hast. Ich ziehe meinen Hut vor dir!

    Übrigens bin ich schon ganz gespannt auf ParentWars ;)

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