Mittwoch, 17. September 2014

Es war einmal ... Märchenhafte Brotdosen

Brotdose, wie meine Söhne sie gestalten.
Mit Spielwaren.
Eine Diskussion auf Twitter über die richtige Befüllung von Brotdosen inspirierte mich zu nachfolgendem Märchen. Die Hauptakteure sind zwei Brotdosen. Bei uns in Österreich heißen sie eigentlich Jausenschachteln, aber der Einfachheit halber verwende ich gerne für meine Leser und Leserinnen in Deutschland das schöne Wort „Brotdose“. Die Nebenrollen sind besetzt von den Besitzern der Brotdosen. Für sie habe ich die Namen Annika und Maxi gewählt. Einfach so. Grundlos. Ja, das gibt es. Neben den Nebenrollen kommen noch irgendwo die Befüller der Brotdosen vor. Es sind dies die Mütter der beiden Kinder. Zwei sympathische Frauen.

Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser noch nie in die Verlegenheit kamen, sich für die Brotdose Ihrer Kinder rechtfertigen zu müssen, blättern Sie weiter. Suchen Sie sich einen anderen Post in meinem Blog. Die unter "Urlaub" getaggten sind ganz nett. Oder ein bisschen Stalken bei "12 von 12". Lassen Sie die Brotdosen einfach sein. Klick, klick.

Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, aber beim Wort "Brotdose" ein leichtes Zucken durchfährt, sind Sie eventuell hier richtig. 

***

Es war einmal ...

In einem schönen Häuschen im Grünen lebte eine Brotdose. Nachts schlief sie in einer Lade in der Küche zwischen Frischhaltedosen und Getränkeflaschen. Die Brotdose war hübsch anzusehen und wurde von den Menschen, in deren Besitz sie war, gut gepflegt. Kein Wunder, dass sie sich pudelwohl fühlte.

Jeden Morgen verließ die Brotdose ihre Lade. Sie wurde auf die Arbeitsfläche gelegt und konnte zusehen, wie eine hübsche Frau mit liebevoller Hingabe Brote zurechtschnitt, Gemüse zerkleinerte und Obst auf Spießchen steckte. Die Brotdose war hingerissen vom Lächeln dieser Frau und freute sich jeden Tag aufs Neue mit all diesen Leckereien befüllt zu werden.   

Die Brotdose hatte eine sehr gute Freundin. Diese wohnte nebenan. Auch in einem Häuschen. Auch im Grünen. Die befreundete Brotdosin schlief nachts in einem Küchenschrank zwischen Tellern und Schüsseln und fühlte sich ebenfalls pudelwohl in ihrem Zuhause.

Jeden Morgen verließ die Brotdosin ihren Schrank. Sie wurde auf die Arbeitsfläche gelegt und konnte zusehen, wie eine hübsche Frau mit geübten Bewegungen ein Butterbrot schmierte, einen Apfel wusch und die Brotdosin mit diesen Leckereien befüllte. Die Brotdosin war glücklich.

Vormittags trafen sich die beiden Brotdosen inmitten einer Kinderschar. Sie wurden nebeneinander auf den Tisch gelegt, konnten sich ansehen, plaudern und lachen. Ach, wie gut sie sich verstanden. Wie schön das Leben war. Die Leckereien wurden mit Putz und Stiel aufgegessen und wenn die Brotdosen Abschied voneinander nahmen, freuten sie sich bereits auf den nächsten Tag.

Eines Tages aber kam die Brotdose nach Hause und sah die Frau stumm in einer Ecke sitzen. Von ihrem bezaubernden Lächeln war nichts mehr zu erkennen. Die Brotdose war verwirrt. So kannte sie die Frau nicht. Da sich die Brotdose nicht mit ihr unterhalten konnte (Brotdosen können so einiges, mit Menschen sprechen leider jedoch nicht), konnte sie nicht ahnen, was die Dame so betrübte.

Nebenan passierte der Brotdosin beinahe dasselbe. Die Leichtigkeit der Frau war Vergangenheit. Mit müdem Blick starrte sie ins Nichts. Auch die Brotdosin war ratlos. Was war nur passiert?

Nun herrschte Traurigkeit an fast allen Ecken und Enden. Die Frauen waren traurig. Die Brotdosen waren traurig, weil die Frauen traurig waren. Jedoch gab es zwei Menschen, die ihre Fröhlichkeit behalten hatten. Die beiden Kinder Maxi und Annika, in deren Rucksäcken die Brotdosen täglich in den Kindergarten gingen. Maxi und Annika erfreuten sich des Lebens. Maxi freute sich täglich über Butterbrot und Apfel, Annika freute sich täglich über Sternchenbrote, Gemüsestrips und Obstspießchen. Manchmal tauschten sie untereinander. Maxi mochte Annika und Annika mochte Maxi. Was Maxi und Annika aber sehr verwunderte, war, dass ihre Mütter nicht mehr miteinander sprachen.

Nur, weil die Frauen ihre Brotdosen unterschiedlich befüllten.

Weil jede das auf andere Weise machte und weil das Unstimmigkeiten hervorrief. Weil sie für ein paar Minuten vergessen hatten, was sie eigentlich verband. Es musste etwas geschehen. Darüber waren sich Annika und Maxi einig. Und auch die Brotdosen.

So kam es, dass Annika und Maxi eines Tages ihre Brotdosen selbst befüllten. Annika schmierte Butter auf ein Brot, wusch einen Apfel und legte die Leckereien in ihre Brotdose. Maxi schnitzte Brotsterne, schnitt Gemüse in Streifen, steckte Obst auf Spießchen und stapelte die Leckereien in die Brotdose. Mal anders. Den Brotdosen gefiel das.

Und den Müttern? Sie staunten. Sie überlegten. Und fanden das Fremde und die Unterschiede gar nicht mehr absurd. Sie lächelten. Und lachten. Über sich selbst und miteinander. 

Sie befüllten ihre Brotdosen wie gewohnt und lebten glücklich und zufrieden miteinander.

Ende


***


Untertitel „Mommy Wars“ – Mit einem Schmunzeln und für die Vielfalt von Brotdosen.





8 Kommentare:

  1. Was eine witzige Geschichte aber doch so aus dem Leben gegriffen.
    Ich gebe es zu, ich bin eine dieser Sternchen-Ausstecherinnen und mag es gerne. Warum ich das noch mache ist ja egal nur mögen es die Motte und ich einfach gerne und trotzdem werden auch wir konisch angeschaut - sollen sie einfach schauen und im Endeffekt schmeckt Brot nach Brot - egal in welcher Form es vor einem liegt. 😊
    Liebste Grüße
    Brotausstecherin JesSi Ca

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    1. Genauso soll es sein. Wie Kind und Eltern es gerne mögen.
      Bei uns haben ja oft unsere Jungs die Finger im Spiel, mit viel Phantasie kann man danach auch Sternchen in allen Formen und Farben erkennen ;) Wenn auch nicht beabsichtigt ...
      Liebe Grüße
      Paula

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  2. Sehr schön! Da ich immer möchte dass Josh Brot mit Rand isst, fange ich besser erst gar nicht an mit ausstechen :).

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    1. Du kannst aus dem Rand auch einen Zopf flechten ;-) Irgendetwas in der Art macht mein Sohn. Frag nicht.

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  3. Hallo liebe Paula, wunderbar...ich muss mich um Brotdosen noch nicht kümmern, weil meine Maus in der Kita ein Frühstück bekommt. Aber wenn, dann wäre ich eine "Nicht-Ausstecherin"...obwohl ich manchmal neidisch auf die hübschen "Ausstech-Dosen" schaue. Aber man kann eben nicht alles perfekt machen - und ich gebe es zu (schande über mich): ich schlafe lieber morgen 10 Minuten länger :-)

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    1. Ich bin ebenfalls maximal zum Plätzchen ausstechen geeignet. Dementsprechend sehen unsere Brotdosen aus. Wenn ich sie nicht ohnehin dem Mann überlasse...

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  4. Liebe Paula,

    wie gut es die Brotdose doch hat. Ich versuchte es einmal mit etwas mehr Optik http://bit.ly/1Bg7UVO, doch da waren unsere Jungs noch im Kindergarten und mussten etwas später los. Jetzt sind sie gerade in der Grundschule, es heißt früher aufstehen und es klappt auch ohne ausgestochene Sternchen. Mal sehen...

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    1. Hallo Sven,
      sehr schmackhaft, deine Brotdosen. Bei uns läuft zur Zeit DIY und zwar durch die Jungs. Dementsprechend sehen sie auch aus. Aber zumindest wissen die beiden was sie erwartet, wenn sie sie in der Krippe öffnen.

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