Mittwoch, 6. August 2014

Familienurlaub am See - Trip ins Ungewisse

Sonntag. Acht Uhr morgens. Wir sind mit der planmäßigen Abfahrt unseres Kurzurlaubes an den Wörthersee auf mein Verschulden hin in Verzug. Ich habe es verabsäumt, die Koffer rechtzeitig zu packen.

Der Mann zeigt wenig Verständnis für meine mangelnde Zeitplanung und lässt mich seine Verstimmtheit durch Nichtbeachtung spüren: Das erste Mal seit vier Jahren steht die dringend benötigte Kaffeedosis am Morgen nicht bereit. Das ist schlecht. Die Stimmung ist im Keller. Dort finde ich auch meinen Koffer. Gewissenhaft lege ich meine sorgfältig gefaltete Wäsche hinein. Ein Shirt ist noch zu bügeln. Das kostet mich wertvolle Minuten.



Um den Zeitplan doch noch halbwegs einzuhalten, suche ich Verstärkung. Die Söhne helfen mit Begeisterung beim Packen ihrer persönlichen Sachen, so muss ich mich nur noch um meinen Kram kümmern. Leider unterschätzen sie bei der Zusammenstellung ihrer dringend benötigten Utensilien (Gitarre, Cocktailtomaten, Winter-Wimmelbuch, Frisörset, Bratschaufel & Co) das Fassungsvermögen des Kofferraumes.



Eine Dreiviertelstunde später ist es endlich soweit. Unser Kurztrip in das benachbarte Bundesland beginnt. Der Mann darf das Auto lenken. Würde ihm gerne den Weg weisen, verzichte aber ob des eingekehrten Friedens willen darauf und begnüge mich mit dem Lesen meiner Timeline und dem Verfassen geistreicher Tweets.



Mein Stillschweigen über Fahrtechnik und Routenplanung sowie das gute Vorankommen auf der Autobahn besänftigen ihn. Nach einer Viertelstunde wird im Fond des Autos heftig debattiert. Um dem Streitgespräch ein Ende zu setzen, stimme ich ein Kinderlied an. Unterstützend setzt der Mann ein. Unglücklicherweise etwas verzögert.


Nach einer halben Stunde finden die Söhne, es ist genug und verlangen nach einer Erholung ihrer geplagten Ohren Pause. Wir machen Halt an der Autobahnraststätte mit Abenteuerspielplatz. Das Piratenschiff lädt die Männer zum Klettern ein, woraufhin der Mann sich setzen muss, um seine Beule am Kopf zu bedauern. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Anlage auf Kindergrößen ausgerichtet ist. Das verschafft mir Zeit, um mich per Twitter über Schuhe, Frisuren und Erinnerungsvermögen auszutauschen.


Nach ausreichender Bewegung und obligatorischen Klogängen setzen wir unsere Reise fort, um sie ein paar Kilometer weiter wieder zu unterbrechen. Wir treffen an der nächsten Autobahnraststätte die befreundete Familie, die es wagt, mit uns auf Urlaub zu fahren. Die halbe Fahrtstrecke ist geschafft.


Im Restaurant verbrauchen wir unser gesamtes Urlaubsbudget für das Mittagessen. Um uns aufzuheitern, nehmen wir alle für die Gäste aufgelegten Papierkronen (eine) und Luftballons (zwei) mit. Leider zerplatzen die Luftballons auf dem angrenzenden Spielplatz aufgrund unsachgemäßer Verwendung. Die Söhne zeigen ihre Enttäuschung. Nicht einmal Ohren zuhalten hilft gegen den Lärmpegel.

Auf der weiteren Fahrt gibt es wieder Mama´s und Papa´s Kinderlieder live. Die Söhne beschließen zu schlafen oder zumindest so zu tun. Vier Stunden nach Abfahrt vom Heimatort kommen wir am Ziel an. Ich nütze das Gesetz, das es verbietet, schlafende Kinder alleine im Auto zu lassen und biete mich als Aufsichtsperson an. Ich bleibe im Auto sitzen. Der Mann darf alle Gepäckstücke alleine in das Hotelzimmer tragen.


Rechtzeitig vor Aufwachen der Söhne sind alle Koffer im Zimmer. Wir machen Schichtwechsel und ich genieße suche beim Auspacken den Blick auf den See. Leider habe ich meine Brille nicht dabei und ich muss den See erst einmal finden.

Die Söhne sich aufgewacht und nun kann der Spaß beginnen. Den Weg zum See muten wir uns (noch nicht) zu. Wir setzen uns an den Pool. Das befreundete Paar plantscht mit seinen ständig lächelnden Kindern begeistert im warmen Wasser. Unsere Söhne stehen mit einer dicken Schicht Kleidung am Körper irritiert am Beckenrand. Jeder Versuch, sie ihrer Kleidung zu entledigen, scheitert an ihrem Geschrei. Ich überlege bereits, ob ein Kindertausch eine gute Lösung wäre, jedoch kommt rechtzeitig Hugo dazwischen.

Der Mann schlägt vor, zur Beruhigung der Pool-Situation den Gratis-Begrüßungstrunk einzunehmen. Ich lasse mich überreden und entscheide mich für Prosecco mit Holundersirup. Die Kinder bekommen Pfirsichsaft. Sohn 02 und ich kippen aufgrund von beginnender Austrocknung unsere Getränke beinahe in einem Zug hinunter.


Den restlichen Nachmittag verbringen wir taumelnd am Wasser. AM Wasser, nicht im. Die Söhne werfen lieber Gummiboote auf die anderen Hotelgäste, als zu schwimmen. Wir entschuldigen uns ausreichend und überlegen, ob eine Änderung unseres Familiennamens angebracht wäre.

Das Abendessen wird in vier Gängen serviert. In den Pausen zwischen den Gängen stellen die Söhne unsere Nerven auf die Probe. Das vom hinterhältigen freundlichen Hotelpersonal zum Kindermenü gelieferte Ablenkungs-Spielzeug zerfällt bei jeder Berührung in seine Einzelteile. Ich bin beschäftigt mit dem Ineinanderstecken kleinster Plastikteile zur Wiederherstellung von Miniatur-Bagger und Miniatur-Straßenwalze.


Vor dem Servieren des Nachtisches fallen Sohn 02 die Augen zu. Ich esse seine gesamte Portion Eis auf während er in meinen Armen schläft. Sohn 01 beschließt, alleine mit der Nervenprobe weiter zu machen und langt beinahe am Ziel an, als er mit einem geschickten Wurf seinen Schnuller direkt auf dem Nebentisch platziert. Wir beschließen, uns aus dem Staub zu machen nach höflicher Entschuldigung ins Zimmer zurückzuziehen. Sohn 01 diskutiert am Balkon noch eine Weile mit seinem Vater über Gott und die Welt Banalitäten aus dem Alltag eines Kleinkindes. Um zehn Uhr schläft auch er (der Sohn) endlich in seinem Bett ein.

Nach Schmieden der weiteren Urlaubspläne am Balkon der befreundeten Familie wollen auch der Mann und ich schlafen gehen. Sohn 02 wacht auf und beschließt, die Nacht in der Bettritze zwischen uns zu verbringen. Um Mitternacht werden wir von einem furchterregenden Röcheln geweckt. Der Mann ist geistesgegenwärtig.



An dieser Stelle möchte ich meinen Urlaubsbericht beenden. Besser wird´s nicht mehr. Nur so viel sei noch gesagt ...








2 Kommentare:

  1. Ein köstlicher Bericht, bei dem man sich wünscht bei dem Kurzurlaub als stiller Beobachter dabei zu sein, nicht aber als verantwortlicher Erziehungsberechtigter ;-)

    LG, Christian

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das glaube ich gerne. Auch die anderen Hotelgäste und Raststättenbenützer wohnten mit Begeisterung dem Schauspiel bei.
      Vielleicht gebe ich beim nächsten Familienurlaub alle Reisedaten im Vorhinein bekannt und verkaufe Tickets für das Kabarett ;-)
      LG Paula

      Löschen