Sonntag, 6. Juli 2014

Laissez faire

Die nachfolgende Geschichte erzählt von einem Sonntagsausflug der bleibCOOLmami Familie und davon, was passiert, wenn Frau die Erziehungsaufgaben in die Hände des Mannes legt.







Die Sonne scheint, die Vögel begrüßen zwitschernd den herrlichen Tag. Alle Familienmitglieder erfreuen sich bester Laune. Ein Ausflug in den Tiergarten ist geplant.

Szene 1 – Gespräch zwischen Mami COOL und Sohn 01

Mami COOL (sehr freundlich): Komm her, ich zieh dir den Pyjama aus.
Sohn 01 (ebenfalls sehr freundlich): Nein, ich hab keine Zeit.
Mami COOL (mit einem Lächeln): Komm bitte, wir fahren bald los.
Sohn 01 (erfreut): Wo fahren wir?
Mami COOL (ausführlich erklärend): In den Tiergarten. Du musst dir Hose und T-Shirt anziehen lassen. Mit dem Pyji kannst du nicht gehen.
Sohn 01 (kennt sich besser aus): Kann ich schon gehen mit Pyji.
Mami COOL (die Ruhe in Person): Nein, du kannst nicht im Pyjama in den Tiergarten gehen. Komm bitte.
Sohn 01 (ruhig, bestimmt und mit einem Kopfschütteln): Nein.
Mami COOL (ruhig, bestimmt und mit unmissverständlicher Handbewegung): Komm.
Sohn 01 (mit unmissverständlicher Kopfbewegung): Nein.

Mami COOL ist an diesem Sonntagmorgen sehr relaxed und hat keine Lust mit Sohn 01 Streit zu beginnen. Zu schön ist der Tag. Zu sonnig. Und zu groß die Familienharmonie. In der Vorfreude auf den Ausflug in den Tierpark beschließt Mami COOL die Sache mit dem Pyji in die Hände des Mannes zu legen. Soll ER sich doch ärgern.

Szene 2 – Gespräch zwischen Mami COOL und dem Mann, Nebendarsteller Sohn 01

Mami COOL (mit süßem Lächeln): Dein Sohn will den Pyjama nicht ausziehen.
Mann (zu Sohn 01): Du musst deinen Pyjama ausziehen.
Sohn 01 (bestimmt): Nein.
Mann (gelangweilt): Ja.
Sohn 01 (bestimmt): Nein.
Mami COOL (zum Mann): Zieh ihn bitte um.
Mann (zu Mami COOL): Er will nicht.
Mami COOL (zu beiden): Er muss.
Mann: (zu Sohn 01): Komm.
Sohn 01 (eilig davonlaufend): Nein, ich hab keine Zeit.
Mann (ihm nachrufend): Dann musst du im Pyjama in den Tiergarten gehen.
Sohn 01 (einverstanden): Ja.

Mann und Sohn 01 (im Pyjama) gehen zum Auto, wo Sohn 02 bereits geschniegelt und gestriegelt in seinem Autositz wartet. Mami COOL ist verwirrt. Was jetzt? Sie nimmt T-Shirt, Hose und Socken und überreicht die Anziehsachen dem Mann, weil sie noch immer keine Lust hat, sich ihre perfekte Sonntagsstimmung mit ohrenbetäubendem Geschrei von Sohn 01 zerstören zu lassen. Soll doch der Mann sich damit quälen. Seine Schuhe hat Sohn 01 übrigens vorhin schon selbst angezogen, sie passen farblich gut zum Pyji.

Szene 3 – Gespräch zwischen Mami COOL und dem Mann. Vor dem Auto.

Mami COOL (ruhig): Hier sind seine Sachen.
Mann (steckt die Kleidung in den Ausflugsrucksack): Danke.
Mami COOL (erstaunt): Ziehst du ihn nicht um?
Mann (ruhig): Nein.

Mami COOL ist, wie oben bereits erwähnt, an diesem Tag gut drauf und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Alle vier Familienmitglieder sitzen im Auto. Sohn 01 noch immer im Pyjama. Nach einer unbeschwerten Fahrt durch das malerische steirische Apfelland kommt die Familie mit dem Auto am Parkplatz des Tiergartens an. Sohn 01 verlangt nach einer frischen Windel. Der Mann hebt Sohn 01 in den Kofferraum des Familienautos, der sich hervorragend als Wickelplatz eignet. Mami COOL erklärt dem Sohn (und dem Mann), dass das nun eine gute Gelegenheit sei, den Pyjama auszuziehen.

Szene 4 – Gespräch zwischen Mami COOL und Sohn 01, Nebendarsteller Mann

Mami COOL (belehrend): Jetzt kannst du auch gleich dein Gewand anziehen.
Sohn 01 (erklärend): Nein, ich will mein Pyji haben.
Mami COOL (auch erklärend): Du kannst nicht mit dem Pyji in den Tierpark gehen.
Mann (wohlgemerkt der Mann, nicht der Sohn): Warum?
Sohn 01 (sich der Sache sicher): Kann schon gehen mit Pyji.

Mann (vollständig gekleidet) und Sohn 01 (im Pyjama, aber mit frischer Windel) gehen los. Mami COOL setzt ihre dunkle Sonnenbrille auf, senkt den Kopf ein wenig, nimmt Sohn 02 an der Hand (übrigens in schönster Sonntagskleidung) und hofft, niemandem zu begegnen, der Mami COOL kennt. Mami COOL schämt sich ein wenig, aber immerhin ist die sonntägliche Familienidylle noch aufrecht.

Mami COOL weiß, dass es pädagogisch unkorrekt ist, solch eine Inkonsequenz an den Tag zu legen und das tägliche Ritual des morgendlichen Anziehens auszulassen. Wo soll das noch hinführen mit dem Kind?

Sie hat an diesem Tag aber einfach keinen Bock darauf, mit dem Sohn über passende Kleidung zu diskutieren und damit Geschrei und Tränen herauszufordern. Der Mann scheint die diskreten Aufforderungen von Mami COOL nicht verstanden zu haben. Und so geht die Familie Hände haltend, Sohn 01 nicht ganz korrekt gekleidet, in den Tierpark.

Nach ausgiebigem Streicheln der Ziegen und einer leckeren Brotzeit lässt sich Sohn 01 ohne Gezeter im Schatten eines Baumes umziehen.



Ich höre schon die Stimmen: Wie kann man nur? Das arme Kind!
Aber bitte, liebe Leser, man muss auch die Vorteile der Sache sehen. Immerhin hat der Sohn nun einen Trumpf in der Hand. Irgendwann kommt er in die Pubertät und wird seinen Kleidungsstil dieser Entwicklungsphase anpassen, sprich, die unmöglichsten Sachen tragen. Wenn er seitens der Eltern diesbezüglich kritisiert wird, kann er immer noch auf den Tiergartenbesuch im Pyjama im Sommer 2014 zurückgreifen und seinen Eltern den Ball zurückspielen.



6 Kommentare:

  1. Herrlich, ich habe gerade sehr gelacht! Danke für den lustigen Post!
    Liebe Grüße,
    Katrin
    (www.zwillinge-blog.de)

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    1. Freut mich.
      Es gibt bestimmt auch noch mehr davon. Meine Jungs (und der Mann) bemühen sich täglich, mir solche Geschichten zu liefern.
      LG Paula

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  2. WUNDERBAR! Ich habe herzlich gelacht...und ehrlich gesagt: normal ist doch langweilig! :-)

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    1. Ja, nicht wahr?
      Wir haben soeben eine Aktionspackung Pyjamas bestellt (NIMM 3 ZAHL 2). Da ist dann auch bestimmt für jeden Anlass etwas dabei.
      LG Paula

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  3. Wegen solcher Kleinigkeiten sollte man sich wirklich nicht den Tag verderben lassen. Das Kind hat sicher keinen Schaden erlitten!
    Erinnert mich daran, dass mein damals 2-jähriger im Österreich-Urlaub einen Sepplhut bekommen hatte und sich selbst angezogen: Gummistiefel, kurze Hose, T-Shirt und den Seppelhut. Anderes älteres Kind: du siehst komisch aus. Mein Sohn versteht die Kritik nicht, guckt an sich runter: Schuh, Hos, Hemd? Alles was man braucht um aus dem Haus zu gehen. Er konnte nicht nachvollziehen, daß sich das auf den Seppelhut bezieht :-D

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    1. Vielen Dank für dein Feedback. Mein Sohn hatte viel Spaß an diesem Tag, vor allem, weil wir einen schönen Ausflug ohne große Debatten hatten.
      Ich denke aber trotzdem, dass man auch einiges falsch machen kann in Sachen Kleidung und es auf die jeweilige Situation und das Alter des Kindes ankommt.
      Liebe Grüße
      Paula

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