Freitag, 4. Juli 2014

bleibCOOLmami - Wer steckt dahinter?

Das neue Online Familienmagazin Familista hat mich um ein Interview über mein Familienleben und das Bloggen gebeten. Die gekürzte Version des Interviews findest du auf Familista News.

Wenn du mehr über „bleibCOOLmami“ und die Personen die dahinter stecken, erfahren möchtest, lies hier weiter. 

Dreizehn ausführliche Fragen wurden mir von Familista per Email gestellt.


Paula, wie kamst du auf den Blognamen „bleibCOOLmami“?


Ich bin Mama von zwei Söhnen und verheiratet mit jenem Mann, der mich in diese Lage gebracht hat. Mit ihrem Papa. In unserem Familienleben gibt es immer wieder Situationen, die stark an meiner Belastbarkeit und an meiner Geduld rütteln. Gerne gibt mir mein Mann mit einem Augenzwinkern den (oft entbehrlichen) Ratschlag „Bleib cool, Mami!“ und ich befürchte, meine Söhne werden es ihrem Papa bald nachmachen. Eigentlich ist es ein Satz, den ich gar nicht gerne höre, trotzdem hat die Gelassenheit meines Mannes mir schon öfter geholfen, manche Dinge lockerer oder in einem anderen Blickwinkel zu sehen. Immer öfter nehme ich mich auch selbst an den Ohren und denke „bleibCOOLmami“.


Du bist recht neu im Blogger-Business. Welche ersten positiven oder auch negativen Erfahrungen hast du als Blogger-Neuling gemacht?


Mein Blog ist seit Mai 2014 online und ich habe bisher viele positive Erfahrungen damit gemacht. Durch die Kommentare meiner Leser weiß ich, dass ich schon manch einen mit meinen Texten erheitern konnte oder zum Nachdenken angeregt habe. Ich freue mich außerdem sehr, dass mein Blog oder einzelne Beiträge daraus bereits auf anderen Websites verlinkt wurden. Der tägliche Blick in die Zugriffsstatistik zeigt mir, dass die Anzahl der Leser stetig steigt.

Einzig mit den Social-Media Kanälen stehe ich noch auf Kriegsfuß. Erst durch das Blogger Business bin ich zu Facebook gekommen und ich gestehe, ich betreibe dieses Medium bisher nur halbherzig.


Wie war die Zeit der Umstellung für dich, in der du von berufstätig zu Vollzeit-Mama gewechselt bist?


Mit einem Wort – schwierig. Ich bin eine späte Mama und habe mein gesamtes Erwachsenenleben vor den Kindern, das waren immerhin zwanzig Jahre, entweder in der Ausbildung oder mit der Ausübung meines Berufes verbracht. Ich bin ein kommunikativer Mensch, schätze meine Kollegen und brauche sowohl Herausforderungen als auch Lob.

Mit einem Mal fiel eine tragende Säule in meinem Leben weg. Mir fehlten der tägliche Austausch mit Erwachsenen, geistig fordernde Aufgaben und die Anerkennung meiner Leistungen außerhalb der Familie. Zuhause fiel mir so manches Mal die Decke auf den Kopf.

Ich muss dazu erwähnen, dass meine Zwillinge als Frühchen geboren wurden und mein Mann und ich unsere Kinder nach dem fünfwöchigen Aufenthalt auf der Intensivstation ein wenig in Watte gepackt haben. Ich war in den Wintermonaten, abgesehen von unseren täglichen Spaziergängen mit dem Kinderwagen und vielen Arztbesuchen, kaum mit ihnen unterwegs. Und offen gestanden, war es mir auch zu mühselig, mit zwei Babys zum Pekip, Babyschwimmen oder Babyturnen zu gehen.

Erst nach einem Dreivierteljahr habe ich wieder etwas mehr am Leben außerhalb meiner Familie teilgenommen. Ich habe ein Eltern-Kind-Treffen geleitet und dadurch zwei neue Mama-Freundinnen gewonnen, mit denen ich mich gerne austausche und nach und nach wieder begonnen, die Beziehungen zu meinen langjährigen Freundinnen zu pflegen.


Denkst du, der Spagat zwischen Karriere und Familie ist machbar, ohne die Familie und sich selbst dabei zu sehr zu belasten? Hast du Tipps, wie sich beides vereinbaren lässt?


Unter „Karriere“ verstehe ich einen anspruchsvollen Vollzeitjob beider Elternteile. Das stelle ich mir definitiv schwierig vor, solange Kinder noch im Vorschulalter sind.

Gute Vereinbarkeit hängt sicherlich ab vom Beruf der Eltern, deren Arbeitszeiten, der Zufriedenheit im Job, der Qualität der vorhandenen Betreuungseinrichtungen, der Persönlichkeit der Kinder und nicht zuletzt von der Möglichkeit, die Kinder auch mal kurzfristig von den Großeltern oder anderen Verwandten betreuen zu lassen.

Ich kenne Frauen, die unter positiven Voraussetzungen ihre Berufstätigkeit sehr gut mit der Familie vereinbaren können und den Beruf als Ausgleich sehen. Andererseits gibt es viele Frauen, die die Doppelbelastung mangels Unterstützung innerhalb und außerhalb der Familie an ihre Grenzen bringt. Das ist sehr bedauerlich und ein großes Thema in unserer heutigen Gesellschaft.
Arbeitgeber spielen eine tragende Rolle im Vereinbarkeitsthema. Wie ich familienfreundliche Unternehmen definiere, habe ich bereits in meinem Blogpost Vereinbarkeit von Beruf und Familie erläutert.

Innerhalb der Familie müssen Aufgaben genau definiert und gerecht verteilt werden, damit die Belastung einer einzelnen Person nicht überwiegt. Man sollte sich auf alle Fälle ein „Netzwerk“ für Betreuungsnotfälle aufbauen und sich bezüglich der Haushaltsarbeiten vom Perfektionismus verabschieden. Ich denke, es ist sehr wichtig, die wenige Zeit, die man für Kinder und Partner neben dem Beruf zur Verfügung hat, bewusst zu gestalten. Miteinander reden und einander zuhören.

In unserem Fall ist es so, dass mein Mann und ich, was die Betreuung unserer Kinder betrifft, weitgehend auf uns gestellt sind. Die Großeltern wohnen drei Autostunden entfernt, können daher nicht kurzfristig ein krankes Kind übernehmen oder einige Stunden Zeit mit den Kindern verbringen, wenn berufliche Termine außerhalb der Krippenöffnungszeiten anstehen. Hinzu kommt, dann mein Mann immer wieder auf Dienstreise im Ausland unterwegs ist und ich die alleinige Verantwortung für unsere Familienangelegenheiten zu tragen habe.

Ich habe mich nach Abwägen aller Für und Wider bewusst dafür entschieden bis dato auf volle Berufstätigkeit zu verzichten. Weil mir als Vollzeitmutter aber ein Ausgleich gefehlt hat, habe ich, als meine Kinder zwei Jahre alt waren, einen Job mit geringfügiger Beschäftigung und geregelter Arbeitszeit in einer Arztpraxis angenommen. Einfach, um „wieder mal raus“ zu kommen. In meinen erlernten Beruf kann ich mit einer geringen Stundenzahl leider nicht zurückkehren und längere und ungeregelte Arbeitszeiten sind derzeit mit meinem Familienleben nicht vereinbar.


Heutzutage kommt es immer häufiger vor, dass berufstätige Eltern ihre Kinder von einer Nanny betreuen lassen.  Sollten sich Eltern heute mehr Zeit für ihre Kinder nehmen? Oder kann das von Vorteil sein, auch für die Kinder?


In meinem Umkreis leistet sich kaum jemand eine Nanny. Eine Person für die Betreuung der Kinder anzustellen, ist sehr kostspielig und für ein Au Pair benötigt man immerhin Platz, der nicht in allen Haushalten zur Verfügung steht.
Das Betreuungsangebot für Kleinkinder ist in unserer Umgebung sehr gut. Es gibt qualitativ hochwertige Kinderkrippen und Kindergärten und Tagesmütter mit guter Ausbildung.

Meine Kinder besuchen vormittags eine Kinderkrippe. Wir haben kurz vor ihrem zweiten Geburtstag mit der Eingewöhnung begonnen und uns dafür ausreichend Zeit genommen. Erst als meinen Kindern die Betreuerinnen und das gesamte Umfeld vertraut waren, haben sie den Vormittag in der Krippe ohne mich verbracht. Daher gefällt mir das Wort „Fremdbetreuung“ nicht.

Meine Kinder fühlen sich in der Krippe wohl, sie lieben ihre Erzieherinnen, haben Spaß mit den anderen Kindern und nehmen sehr viele positive Erfahrungen mit nach Hause. Sie entdecken neue Spiele, singen unzählige Lieder, malen und basteln, turnen und essen gemeinsam und haben täglich die Möglichkeit andere Kinder zu beobachten, voneinander zu lernen und freundschaftlich miteinander umzugehen. Sie feiern Geburtstage und andere Feste und machen die schöne Erfahrung, von den Erzieherinnen wertgeschätzt zu werden.

Die Entscheidung, unsere Kinder vormittags betreuen zu lassen, war für unsere Familie eine sehr gute. Ob andere Eltern zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen, kann und möchte ich hier nicht beurteilen.


Du schreibst, du hast die Zwischenform zwischen Beruf und Familie gefunden. Wäre „nur Mutter sein“ auf Dauer langweilig?


Langeweile ist aus meiner Sicht nicht der passende Ausdruck, denn sie kommt mit Kindern selten auf. Die kleinen Racker können einen jede Minute des Tages in Anspruch nehmen und oft wünscht man sich, wenigstens eine halbe Stunde Zeit nur für sich selbst und ein wenig Müßiggang zu haben.

Nur Mutter sein wäre für mich aber auf jeden Fall „eintönig“, ich wünsche mir ein Leben mit unterschiedlichen Perspektiven. Ich möchte nicht immer nur „Mama von ...“ sein, sondern auch wieder als eigenständige Persönlichkeit, als Frau, wahrgenommen werden. Ich möchte mit anderen Menschen Gespräche führen können, die sich nicht ausschließlich um Kinderthemen drehen. Ich brauche auch andere Herausforderungen, wie schon oben erwähnt.

Deshalb habe ich mich entschieden, meine Elternzeit zu nützen, um mich innerhalb meines Berufsfeldes weiterzubilden. Ich plane, ab Herbst an einem 4-semestrigen Hochschullehrgang teilzunehmen, der mir beim späteren Wiedereinstieg interessante Arbeitsmöglichkeiten bieten kann.


Du schreibst in witziger und unterhaltsamer Weise über deine Familie, woher nimmst du die Kraft, dich nach einem anstrengenden Tag  hinzusetzen und einen Beitrag zu verfassen?


Wie schon gesagt, ich schreibe gerne. Es ist weniger die Kraft, die fehlt, sondern mehr die Zeit. Ich nütze die Schlafenszeiten meiner Kinder oder auch mal einen Vormittag, wenn die Jungs in der Krippe sind. Ich sehe das Bloggen als Hobby. Wenn andere sich vor dem Fernseher entspannen oder am Crosstrainer etwas für ihre Gesundheit tun, sitze ich mit meinem Notebook in meinem Büro unter dem Dach, genieße meine persönliche Stunde und tippe meine Gedanken in die Welt hinaus.


Jede Mami, ist sie auch noch so cool, hat Situationen, in denen sie einfach verzweifelt. Hattest du bereits eine und welche war das? Wie kann man auch in solchen Situationen cool bleiben?


Natürlich kenne ich solche Situationen. Vor allem im ersten Lebensjahr meiner Kinder war ich so manches Mal überfordert. Allein Schlafmangel kann am darauffolgenden Tag die einfachsten Dinge zur Plage machen. Mein Mann hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt, indem er mir abends und an den Wochenenden sehr viel Arbeit mit den Jungs abgenommen hat.

Eine richtige Perle ist meine Nachbarin, die ich in schwierigen Situationen jederzeit um Hilfe bitten konnte und kann und im Laufe der Zeit so etwas wie eine Leihoma für meine Kinder geworden ist.

Ansonsten hilft mir viel rausgehen in die Natur, Bewegung machen, mich bei der besten Freundin ausheulen oder in Ruhe ein Glas Wasser trinken und tief Durchatmen (hilft tatsächlich).


Wie würdest du euer Familienleben beschreiben?


Im Sinne von Arbeiten und Geld verdienen traditionell. Mein Mann ist berufstätig, ich bin mittlerweile das dritte Jahr in Elternzeit und die meisten Stunden des Tages für die Jungs zuständig.

Innerhalb der Familie haben wir aber einige Tätigkeiten so verteilt, dass wir einem moderneren Familienbild entsprechen. Er ist beispielsweise unser Ernährer, nicht nur was die Beschaffung von Lebensmittel (früher jagen und sammeln - heute mal im Supermarkt vorbei schauen) betrifft, sondern er ist auch derjenige, der daraus die besten Gerichte zaubert. Im Gegenzug dazu mähe ich den Rasen, drehe schon mal eine Glühbirne in die Lampe oder montiere neu erworbene Möbel.

Bezüglich der Erziehung unserer Kinder besprechen wir vieles, sind nicht immer derselben Meinung und versuchen Kompromisse zu schließen. An den Wochenenden unternehmen wir vieles gemeinsam, gehen aber auch einmal getrennte Wege, das heißt ein Elternteil übernimmt die Kinder, damit der andere Freiraum für sich und seine Hobbys hat.

Alles in allem würde ich sagen, unsere Kinder wachsen in einer geborgenen Familie auf.


Deine Söhne sind Zwillinge. Was macht sie trotzdem so verschieden, wie du sagst?


Meine Söhne sind zweieiige Zwillinge und unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht voneinander. Der eine ist ein Stückchen größer als der andere, einer hat mehr Gesichtszüge vom Papa, der andere von mir. Motorische und kognitive Entwicklungsschritte erfolgten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Der eine konnte schneller laufen, dafür ging der andere rascher geschickt mit Löffel und Gabel um. Hinsichtlich ihrer gesamten Persönlichkeit zeigen sie Gegensätze. Es gibt einen, der die führende Rolle in der Geschwisterbeziehung angibt und den anderen, der gerne alles nachmacht.


Was braucht ein Kind, deiner Meinung nach, um eine schöne Kindheit zu haben?


Wenn ich heute auf meine eigene Kindheit zurückblicke, kann ich sagen, dass ich eine schöne Kindheit hatte. Meine Mutter zeichnete sich durch große Geduld aus und bot mir genügend Raum zur Entfaltung meiner Selbständigkeit. Wir waren sehr viel in der Natur unterwegs und Freunde waren zuhause immer willkommen. Ich war mir der Liebe meiner Eltern sicher und mein Elternhaus war letztendlich immer ein Zufluchtsort.

Ich denke, eine schöne Kindheit haben jene Kinder, die sich bedingungslos geliebt und angenommen fühlen, Kinder, die in ihrem Umfeld einen guten Umgang mit Gefühlen lernen, Kinder, die die Möglichkeit bekommen, ihre Stärken weiterzuentwickeln und dadurch Selbstbewusstsein erlangen können und Kinder, die auch einmal ihre eigenen Wege gehen dürfen.


Was sagt dein Mann zu deinem Blog?


Mein Mann war Co-Initiator meines Blogs. Er hat mich erst auf die Idee gebracht, meine Texte öffentlich zu machen. Ich habe, seit unsere Kinder auf der Welt sind, viele Emails über unser Familienleben an Freunde und Kollegen geschickt und oft begeisterte Rückmeldungen über meine Berichte bekommen.
Mein Mann liest jeden Post, freut sich mit mir über Erfolge und gibt mir konstruktive Kritik.


Was möchtest du den Müttern dieser Welt mit auf den Weg geben?


Handle nach deinem Bauchgefühl.
Such dir eine Freundin, die deine Situation nachvollziehen kann und ein guter Zuhörer ist.
Verbünde dich mit anderen Müttern.
Bau dir ein Netzwerk von Menschen auf, die du um Hilfe bitten kannst.
Betrachte dein Kind als das Kostbarste, das du hast, aber vergiss deine eigenen Bedürfnisse und die deiner Freunde und Familie nie.
Klammere dich nicht an deine Kinder, wenn sie gehen wollen, lass sie ziehen. Wie schon Goethe so schön sagte:


Wenn deine Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln,
wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“





0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen