Montag, 5. Mai 2014

Bratkartoffeln

Meine Kinder lieben Kartoffeln. Kartoffeln in jeder Form. Kartoffeln mit Butter, Rosmarienkartoffeln, Streifenkartoffeln (klingt nicht so ungesund wie Pommes), Kartoffelsuppe, Kartoffelstrudel, rohe Kartoffeln (aber nur ein kleines Stück) und am liebsten Bratkartoffeln.

Heute Morgen musste ich wieder mal Punkte sammeln bei ihnen, nach einer langen Schimpftirade. Also verspreche ich ihnen auf dem Weg in die Krippe, dass ich fürs Mittagessen ihre heißgeliebten Bratkartoffeln richte. Ich bekomme überschwängliches Lächeln als Dank. Das motiviert mich, mich mit viel Liebe an den Herd zu stellen, von dem
ich ansonsten lieber Abstand nehme. Bald sind die Bratkartoffeln fertig. Mit stolz geschwellter Brust, weil ich die beste Mama der Welt bin, hole ich meine Kinder ab.

„Bratkartoffeln gibt?“, höre ich und bekomme ein dickes Bussi als Dankeschön. Auf dem Nachhauseweg werden die Bratkartoffeln besungen, zuhause angekommen eine große Portion bestellt. „Viele Toffel, bitte.“ Bratkartoffeln liebevoll am Teller serviert, Ketchup dazu ...

... und keiner rührt die Bratkartoffeln an. Kein bisschen. Nicht mal mit dem kleinen Finger. Sie möchten lieber einen Apfel und ein Rosinenweckerl haben. Ich zweifle an meiner Kochkunst und frage, ob ich ihre Bratkartoffeln essen darf. „Ja, Mama essen.“ Versichere mich noch einmal. „Ja, Mama essen.“ Und noch einmal, um wirklich sicher zu gehen. „Ja, Mama Brattartoffeln essen.“

Mmmmh. Die Bratkartoffeln sind superlecker. Ratzeputz aufgegessen. Der Große aufgebracht: „Nein meine Brattartoffeln, mir g´hört!“ Er ist verzweifelt, wie vorm Weltuntergang, schreit, tobt, hämmert mit seinen Fäusten auf die Tischplatte und fällt dabei beinahe vom Hochstuhl. Dicke Tränen kullern über seine erhitzten Wangen. Und ich kann keine Bratkartoffeln mehr sehen. 

Zumindest für die nächste Woche.


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